Der „Koloss“ von Rügen – das ehemalige „KDF-Seebad“ Rügen in Prora
Geschrieben von renate lorenzen am 16. April 2010 | Abgelegt unter Allgemein
Kurz hinter dem Ostseebad Binz an einer der schönsten Buchten auf Rügen – der Prorer Wiek – liegt inmitten alter Kiefernwälder auf ca. 4,5 Kilometer Länge der so genannte „Koloss“ von Rügen. Feiner Sandstrand zieht sich kilometerlang um die Bucht, dahinter liegen schützende Dünenwälder. Das ehemalige „KDF-Seebad“ Rügen in Prora gehört heute zu Binz. Die Gebäude – teils genutzt, teils leer stehend oder als Ruinen – stehen unter Denkmalschutz.
Das ehemalige KDF-Seebad Prora an der Prorer Wiek
Denn: „Sie ist neben dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg die größte geschlossene architektonische Hinterlassenschaft der nationalsozialistischen Zeit. 20.000 Menschen sollten hier Urlaub machen. Das KdF-Bad der Zwanzigtausend ist nicht nur ein baugeschichtlich interessantes Beispiel für den Gebrauch der Architektur der Moderne im Nationalsozialismus, sondern auch ein sozialgeschichtlich wichtiges Zeugnis für das Bemühen des NS-Regimes, die Arbeiter, deren Parteien und Organisationen 1933 zerschlagen worden waren, zu befrieden und für die Kriegs-, Lebensraum- und Rassenpolitik zu gewinnen. Die Nerven des Volkes sollten für den nächsten Krieg gestärkt werden.“ (Quelle: Dokumentationszentrum Prora / www.prora.eu)
Die Gebäude stehen heute unter Denkmalschutz
„20.000 Menschen sollten hier Urlaub machen.“ Die Anlage wurde zwar in den Jahren 1936 – 1939 im Auftrag der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ in großen Teilen vollendet, doch als „KdF-Bad“ wegen Ausbruch des 2. Weltkrieges nicht mehr genutzt. Nach 1939 wurden hier Polizeibataillone ausgebildet und Nachrichtenhelferinnen der Kriegsmarine geschult, weiterhin diente die Anlage als Notunterkunft für Menschen, die durch Bombenangriffe obdachlos wurden, und ab 1944 dann als Lazarett. Nach Kriegsende erfolgte die Nutzung als Flüchtlingslager, später bezog dann die sowjetische Armee einige Gebäude. Mit der Übernahme der Gebäude durch die Nationale Volksarmee der DDR wurde das Gelände militärisches Sperrgebiet. Nach der Wende wurde das ehemalige „KdF-Seebad“ an die Bundeswehr übergeben, die es 1991 wieder verließ.
Seitdem ist das Gelände für die Öffentlichkeit frei zugänglich und wartet auf seine neue Bestimmung. Der zentrale und am besten erhaltene Teil wurde an private Investoren verkauft, Block 5 gehört dem Landkreis Rügen, der dort einen Jugendzeltplatz betreibt. Weiterhin soll hier eine Jugendherberge entstehen. Im Block 3 befindet sich das Dokumentationszentrum Prora (www.prora.eu), das sich in der Dauerausstellung MACHTUrlaub mit der Geschichte des „KdF-Seebades“ in seinem historischen Zusammenhang befasst.
Blick in Richtung Süden
Zum Panorama-Luftbild von Prora / Rügen geht es hier.
2 Kommentare »
am 14. Juli 2010 um 20:35 1.Malte schrieb …
Moin Moin, na das sind doch mal gelungene Fotoaufnahmen von Rügen. Denn aus dieser Perspektive sieht man den Koloss wohl nicht alle Tage. Besonders im Luftbild 1 hat der Marekopter den Bau gut eingefangen! Was auch immer das ist ein Marekopter…
BG Malte
am 15. Juli 2010 um 09:39 2.renate lorenzen schrieb …
Hallo,
erstmal vielen Dank für Ihren Eintrag. Ich bin kurz auf Ihrer Internetseite gewesen, die mir sehr gut gefallen hat. Ich war sicher nicht das letzte Mal dort. Wenn Sie wissen wollen, was ein Marekopter ist, können Sie unter http://www.luftaufnahmen-ostsee.de nachschauen. Dort ist unter der Rubrik Technik alles beschrieben.
Viele Grüße
Renate Lorenzen